Gewerbesteuer der GmbH
Lexware Office und die Gewerbesteuer: Hinzurechnungen, Rückstellung und Erklärung
Lexware Office erstellt und übermittelt laut Lexware-Hilfe keine Gewerbesteuererklärung; die Software zeichnet die Zahlen auf, die Erklärung entsteht bei der Kanzlei oder hier. Für eine GmbH oder UG kommt es dabei auf drei Dinge an: welche Aufwendungen nach § 8 Nr. 1 GewStG hinzugerechnet werden, ob Grundbesitz eine Kürzung auslöst und wie hoch der Hebesatz der Gemeinde ist. Diese Seite ordnet die Konten der schmalen SKR-Auswahl von Lexware Office den Zeilen der Erklärung zu und rechnet ein Beispiel durch.
In der Software: Jahresabschluss.io erstellt die Gewerbesteuererklärung (GewSt 1 A) mit Hinzurechnungen und Kürzungen.
Stand: 2026-11-01
Gewerbesteuer in der Lexware-Office-Hilfe
Im Hilfeartikel zur Datenübergabe an smartsteuer zählt Lexware auf, was Lexware Office im Steuerbereich leistet: Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Lohnsteueranmeldungen erstellen und direkt an das Finanzamt übermitteln, die Einnahmenüberschussrechnung erstellen. Ausdrücklich nicht dazu gehören Steuererklärungen „wie z. B. eine Umsatzsteuererklärung, eine Einkommensteuererklärung oder Gewerbesteuererklärung“. Der dort empfohlene Weg über den Partner smartsteuer setzt an der amtlichen EÜR an und passt damit zu Unternehmen mit Einnahmenüberschussrechnung; für bilanzierende Unternehmen verweist die Hilfe für den Jahresabschluss an die Steuerkanzlei.
Was Lexware Office für die Gewerbesteuer trotzdem liefert, sind die Buchungen: Zinsen für ein Darlehen, Leasingraten, Büromiete und Lizenzgebühren laufen als Belege oder kategorisierte Bankzahlungen auf Konten des SKR03 oder SKR04. Eigene Konten oder Unterkonten lassen sich laut Hilfe nicht anlegen. Ob eine Miete hinzurechnungspflichtig ist, entscheidet deshalb nicht ein Spezialkonto, sondern Ihr Blick in die Verträge.
Die Vorauszahlungen am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November (§ 19 Abs. 1 GewStG) erfassen Sie in Lexware Office als Zahlung an die Gemeinde. Eine Gewerbesteuer-Rückstellung für den Rest kennt die Software laut Hilfe nicht, denn Rückstellungen „können in Lexware Office nicht erstellt oder aufgelöst werden“.
Hinzurechnungen nach § 8 Nr. 1 GewStG und die passenden SKR-Konten
Kontonummern nach Kanzlei Software-Standardkontenrahmen; welche davon die schmale SKR-Fassung in Lexware Office führt, zeigt die Kontenübersicht mit „Leere Konten anzeigen“. Stand: 1. November 2026.
| Tatbestand | Anteil vor dem Viertel | SKR03 | SKR04 | Hinweis für Lexware-Office-Daten |
|---|---|---|---|---|
| Entgelte für Schulden (Buchst. a) | voll | Zinskonten 2100 bis 2149 (Auswahl) | 7300 bis 7349 (Auswahl) | Darlehens- und Kontokorrentzinsen aus Bankzahlungen; bei Ratenkrediten nur der Zinsanteil |
| Renten, dauernde Lasten, stille Gesellschafter (Buchst. b und c) | voll | kein Standardfall | kein Standardfall | selten; Betrag aus den Verträgen |
| Miete und Leasing beweglicher Wirtschaftsgüter (Buchst. d) | ein Fünftel | 4963; allgemein 4570 Mietleasing Kfz | 6838; allgemein 6560 | Kfz-Leasing steht oft auf dem allgemeinen Leasingkonto und muss dann von Hand erfasst werden |
| Elektrofahrzeuge und Fahrräder (Buchst. d Satz 2) | die Hälfte eines Fünftels | 4575 | 6565 | nur Verträge nach dem 31.12.2019, letztmals für den Erhebungszeitraum 2030 (§ 36 Abs. 4 GewStG) |
| Miete unbeweglicher Wirtschaftsgüter (Buchst. e) | die Hälfte | 4211; allgemein 4210 Miete | 6317; allgemein 6310 | Büro- und Lagermieten laut Mietvertrag; das allgemeine Mietkonto wird nicht von selbst übernommen |
| Befristete Überlassung von Rechten (Buchst. f) | ein Viertel | 4964 | 6837 | Lizenzen und Konzessionen; Lizenzen, die nur zur Weiterüberlassung berechtigen, sind ausgenommen |
Rechenbeispiel: Gewerbesteuer einer GmbH aus Lexware-Office-Zahlen
Beispielzahlen, Erhebungszeitraum 2025, Hebesatz der Gemeinde 400 %
- Beispiel: Gewinn aus Gewerbebetrieb (Jahresüberschuss zuzüglich der gebuchten Ertragsteuern und nicht abziehbaren Betriebsausgaben): 106.200,00 €.
- Finanzierungsanteile laut Konten und Verträgen: Darlehenszinsen 9.500,00 €, ein Fünftel von 18.000,00 € Kfz-Leasing = 3.600,00 €, die Hälfte von 42.000,00 € Büromiete = 21.000,00 €, ein Viertel von 6.000,00 € Markenlizenz = 1.500,00 €. Summe 35.600,00 €.
- Die Summe liegt unter dem Betrag von 200.000 €, ab dem hinzugerechnet wird: Hinzurechnung 0,00 €. In die Erklärung werden trotzdem die vollen Beträge eingetragen; Freibetrag und Viertel ergeben sich daraus.
- Kürzung nach § 9 Nr. 1 Satz 1 GewStG: keine, weil die Räume gemietet sind. Seit dem Erhebungszeitraum 2025 wäre sonst die als Betriebsausgabe erfasste Grundsteuer abzuziehen (§ 36 Abs. 4b GewStG).
- Gewerbeertrag 106.200,00 €, auf volle 100 € abgerundet unverändert; ein Freibetrag nach § 11 Abs. 1 GewStG steht der GmbH nicht zu. Steuermessbetrag 3,5 % = 3.717,00 €.
- Gewerbesteuer bei 400 %: 14.868,00 €. Gezahlte Vorauszahlungen 4 × 3.000,00 € = 12.000,00 €, Rückstellung zum 31.12.2025: 2.868,00 €.
- Gegenprobe mit höherer Finanzierung: Zinsen 120.000,00 €, die Hälfte von 190.000,00 € Lagermiete = 95.000,00 €, ein Fünftel von 60.000,00 € Leasing = 12.000,00 €. Summe 227.000,00 €, davon übersteigen 27.000,00 € den Betrag von 200.000 €; hinzugerechnet wird ein Viertel, also 6.750,00 €.
Gewerbesteuer-Rückstellung, wenn Lexware Office keine Rückstellungen bucht
Die Rückstellung für die noch geschuldete Gewerbesteuer ist eine ungewisse Verbindlichkeit nach § 249 Abs. 1 HGB und gehört in den Jahresabschluss des Jahres, für das die Steuer entsteht. Weil Lexware Office laut Hilfe keine Rückstellungen kennt, buchen Sie sie hier auf die importierte Saldenliste: im SKR03 Gewerbesteuer 4320 an Gewerbesteuerrückstellung 0956, im SKR04 7610 an 3035. Die Software bietet dafür auf der Saldenliste die Karte „Abschlussbuchungen“ mit Vorlagen, die laut Ihren Zahlen vermutlich offen sind; der Betrag kommt am besten aus der gerechneten Erklärung.
Steuerlich ist die Gewerbesteuer keine Betriebsausgabe (§ 4 Abs. 5b EStG). In der Körperschaftsteuererklärung wird der gebuchte Aufwand deshalb wieder hinzugerechnet; die Vorbelegung liest dafür die Konten 4320 und 2280 bis 2284 bzw. 7610 und 7640 bis 7644. Bucht Lexware Office die Vorauszahlungen auf ein anderes Konto, etwa über „Zu prüfen“ auf die Durchlaufenden Posten, sollte dieser Saldo vor dem Abschluss umgegliedert werden.
Im Folgejahr erstattet oder fordert die Gemeinde die Differenz nach dem Bescheid. Diese Zahlung erfassen Sie wieder in Lexware Office; die Auflösung der Rückstellung bleibt eine Abschlussbuchung.
Hebesatz, Gemeinde und mehrere Betriebsstätten
Der Hebesatz ist der Prozentsatz, mit dem die hebeberechtigte Gemeinde den Messbetrag vervielfacht (§ 16 Abs. 1 GewStG). Er muss für alle Unternehmen der Gemeinde gleich sein und beträgt mindestens 200 %, für Erhebungszeiträume ab 2027 mindestens 280 %, wenn die Gemeinde nichts Höheres bestimmt hat (§ 16 Abs. 4, § 36 Abs. 5b GewStG). Den aktuellen Satz nennt Ihr letzter Gewerbesteuerbescheid oder die Haushaltssatzung der Gemeinde.
Hat die GmbH Betriebsstätten in mehreren Gemeinden, wird der Messbetrag zerlegt, in der Regel nach den Arbeitslöhnen je Betriebsstätte (§ 29 Abs. 1 Nr. 1 GewStG). Lexware Office bietet laut Hilfe keine Kostenstellen und keine eigenen Unterkonten; die Löhne je Standort holen Sie deshalb aus der Lohnabrechnung. Die Erklärung hier fragt Betriebsstätten, Gemeinde, Hebesatz und Arbeitslöhne einzeln ab und rechnet die Zerlegung.
Von der Saldenliste zur übermittelten Gewerbesteuererklärung
- Den Lexware-Office-Export als Buchungsstapel ohne Belegbilder einreichen; unser Team richtet die Saldenliste ein und meldet sich.
- Jahresabschluss aufstellen und Bilanz und GuV bestätigen: Der Jahresüberschuss wird dabei festgeschrieben und ist der Ausgangswert der Erklärung.
- Im kostenlosen Steuer-Modul die Gewerbesteuererklärung öffnen: Gewinn, Zinsen und eindeutig bezeichnete Mietkonten sind vorbelegt, jeweils mit Konto, Betrag und Norm als Herkunft.
- Felder, die sich aus den Konten nicht sicher ergeben, bleiben leer und nennen den Grund, etwa die Büromiete auf dem allgemeinen Mietkonto. Sie ergänzen sie und beantworten die Sachverhaltsfragen.
- Amtliche Prüfung mit ERiC, dann Direktversand über ELSTER für 50 €; im Buchhaltungs-Gesamtpaket ist die Erklärung enthalten. Für ausdrücklich abgefragte Sonderfälle bleibt der Weg über Ihre Steuerberatung.
Selbst erklären oder die Kanzlei beauftragen
Die Gewerbesteuererklärung einer kleinen GmbH mit gemieteten Räumen, einem Leasingfahrzeug und einem Darlehen ist mit den Zahlen aus Lexware Office gut selbst zu erstellen, denn die Finanzierungsanteile bleiben meist weit unter dem Betrag von 200.000 €. Aufwendig wird sie bei eigenem Grundbesitz mit erweiterter Kürzung, bei Organschaft, Beteiligungen an Personengesellschaften oder Verlustvorträgen nach einem Gesellschafterwechsel.
Wer ohnehin eine Kanzlei für den Abschluss hat, lässt die Erklärung meist dort mitlaufen. Wer den Abschluss selbst aufstellt, spart sich hier das Abtippen, denn Gewinn und Konten kommen aus demselben bestätigten Zahlenstand wie Bilanz und E-Bilanz.
Häufige Fragen
Erstellt Lexware Office die Gewerbesteuererklärung?
Nein, laut Lexware-Hilfe gehören Gewerbesteuer-, Umsatzsteuer- und Einkommensteuererklärung nicht zu den Funktionen von Lexware Office. Die Software übermittelt Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Lohnsteueranmeldungen; die Jahreserklärungen einer GmbH entstehen bei der Kanzlei oder hier.
Woher weiß die Software, welche Miete hinzuzurechnen ist?
Vorbelegt werden nur Konten, die der Kontenrahmen ausdrücklich als gewerbesteuerlich hinzuzurechnen führt, im SKR03 etwa 4211 oder 4963. Mieten auf dem allgemeinen Mietkonto 4210 bzw. 6310 enthalten oft Nebenkosten und werden deshalb nicht von selbst übernommen. Den Betrag laut Mietvertrag tragen Sie selbst ein.
Muss eine kleine GmbH überhaupt etwas hinzurechnen?
Hinzugerechnet wird ein Viertel der Finanzierungsanteile, soweit ihre Summe 200.000 € übersteigt. Bei den meisten kleinen Gesellschaften bleibt es deshalb bei null. Die Beträge stehen trotzdem vollständig in der Erklärung.
Bekommt die GmbH den Freibetrag von 24.500 €?
Nein. Der Freibetrag nach § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStG gilt nur für natürliche Personen und Personengesellschaften. Bei der GmbH wird der volle, auf 100 € abgerundete Gewerbeertrag mit 3,5 % angesetzt.
Wie buche ich die Gewerbesteuer-Rückstellung, wenn Lexware Office keine Rückstellungen kennt?
Als Abschlussbuchung auf die importierte Saldenliste: im SKR03 4320 an 0956, im SKR04 7610 an 3035. Den Betrag liefert die gerechnete Erklärung abzüglich der gezahlten Vorauszahlungen. In Lexware Office bleiben nur die Zahlungen.
Für welche Jahre kann ich die Erklärung hier direkt senden?
Für gewöhnliche Fälle der Erhebungszeiträume 2023 bis 2025, wenn alle Sachverhaltsfragen beantwortet sind und die Server- und ERiC-Prüfung bestanden ist. Für 2026 lässt sich die Gewerbesteuer vorab berechnen; die Übermittlung folgt, sobald die amtlichen Formulare dafür bereitstehen.
Quellen und Rechtsstand
Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.
- Lexware-Hilfe: Daten aus Lexware Office an smartsteuer übertragen (Umfang der Steuerfunktionen) — abgerufen am 01.11.2026
- Lexware-Hilfe: Bilanz und Lexware Office (Rückstellungen) — abgerufen am 01.11.2026
- Lexware-Hilfe: Eigene Konten oder Kategorien anlegen — abgerufen am 01.11.2026
- § 8 GewStG (Hinzurechnungen) — abgerufen am 01.11.2026
- § 9 GewStG (Kürzungen) — abgerufen am 01.11.2026
- § 11 GewStG (Messzahl, Freibetrag) — abgerufen am 01.11.2026
- § 16 GewStG (Hebesatz) — abgerufen am 01.11.2026
- § 36 GewStG (Anwendung ab Erhebungszeitraum 2025) — abgerufen am 01.11.2026
Vom selben Anbieter: Jahresabschluss nach HGB – der komplette Leitfaden auf jahresabschluss.io.